Eigentlich war die Kamera auf der Suche nach einem seltenen Bewohner unserer Gewässer: dem Fischotter. Im Rahmen des Projekts „Deutschland wieder Otterland“ werden in Hessen an ausgewählten Standorten auch Wildkameras eingesetzt, um Hinweise auf das Vorkommen des Fischotters zu sammeln. Doch eine der Kameras lieferte eine besondere Überraschung: Statt eines Fischotters zeigte die Aufnahme einen Gartenschläfer. Eine Art, die an diesem Standort nicht erwartet worden war.
Ein seltener Gast vor der Otterkamera
Der kleine Bilch mit der auffälligen dunklen Gesichtszeichnung gehört zu den selten gewordenen Säugetieren Deutschlands. Er ist nachtaktiv und lebt sehr zurückgezogen, weshalb direkte Beobachtungen selten sind. Nachweise wie dieser sind deshalb besonders wertvoll für den Naturschutz.
In Hessen liegen die bekannten Vorkommen des Gartenschläfers vor allem in wärmebegünstigten Regionen vom Rheingau über Wiesbaden (die „Hauptstadt der Gartenschläfer“), den Main-Taunus-Kreis und Frankfurt bis nach Maintal. In der Wetterau, wo die Wildkamera den kleinen Bilch aufgezeichnet hat, gibt es aktuell keine bekannten Vorkommen mehr. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren vereinzelte Nachweise aus der Region gemeldet.
Die Beobachtung zeigt, wie wertvoll systematische Erfassungen mit Wildkameras sind: Sie geben Einblicke in die heimliche Tierwelt und können auch unerwartete Artennachweise erbringen. Die Aufnahme wurde bereits an die Meldestelle Gartenschläfer des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“ übermittelt.
Gemeinsame Ansprüche an intakte Lebensräume
Fischotter und Gartenschläfer haben unterschiedliche Lebensweisen und Lebensräume, profitieren aber beide von vielfältigen und naturnahen Landschaften.
Der Fischotter benötigt saubere, strukturreiche Gewässer mit geeigneten Versteckmöglichkeiten an Ufern. Der Gartenschläfer ist auf abwechslungsreiche Lebensräume mit Hecken, alten Bäumen, Totholz und weiteren Rückzugsorten angewiesen. Besonders Streuobstwiesen können wichtige Lebensräume für den kleinen Bilch darstellen.
Der überraschende Fund macht deutlich: Wer Lebensräume systematisch untersucht, entdeckt nicht selten mehr als erwartet. Die Erfassungen im Projekt „Deutschland wieder Otterland“ helfen damit nicht nur, Erkenntnisse über den Fischotter zu gewinnen, sondern liefern auch wertvolle Einblicke in die Artenvielfalt unserer Landschaft.