Straßen stellen für Fischotter im Osnabrücker Land eine tödliche Gefahr dar. Ein
schwimmender Laufsteg bietet nun eine sichere Querung an der Hunte in Hunteburg. Diese sind erforderlich, da der Fischotter zwar ein guter Schwimmer ist, dies aber nur ungern unter Brücken tut. Erschwerend kommt hinzu, dass Brückenfundamente tief ins Gewässer reichen und der Otter somit dort kein Ufer vorfindet. An Brücken zieht er es deshalb vor, das Gewässer zu verlassen und die Straße zu überqueren, um in das Gewässer zurückzugelangen. Hier werden die vorwiegend nachtaktiven Tiere dann allzu oft von Autos erfasst. Schwimmende Bermen helfen den Tieren, die Brücken entlang des Gewässers zu passieren. Es handelt sich dabei sozusagen um Laufstege, die den Ottern eine an den Wasserstand angepasste Unterquerung der Brücke ermöglichen.
Die Hunte verfügt über gesicherte Nachweise des bundesweit geschützten Fischotters. Zu dessen Schutz wurde von Siegmund-Stuckenberg und Kai Holzgräfe eine geeignete Stelle für die Platzierung einer Berme identifiziert. Hierbei handelt es sich um die Huntebrücke an der Hauptstraße in Hunteburg.
Ohne Wathosen geht es nicht
Die schwimmende Berme in Hunteburg wurde von seinem Entwickler, dem Wildtierbiologen und Fischotterexperten Hans-Heinrich Krüger vom Fachbüro Mustela-Consult aus Hankensbüttel/Celle vor Ort
zusammengebaut.
Sie besteht – entsprechend der Breite des Brückenpfeilers – aus 16 jeweils einen Meter langen Quadern. Diese Quader enthalten einen Kern aus Styropor, das für Auftrieb im Gewässer sorgt, und sind mit Douglasien-Holz langlebig ummantelt. Eine Kette verbindet die einzelnen Quader zur Berme. Außerdem ist an jedem Element ein dünner Ast befestigt, der den Tieren sicheren Halt gibt. Zusätzlich ist an einem Element ein Stein aufgeklebt – gewissermaßen als Orientierungshilfe.
Die Kette wird an in den Boden eingeschlagenen Stangen beiderseits eines Brückenpfeilers befestigt, sodass die Berme sich dem Wasserstand anpasst und für den Fischotter nutzbar ist, egal wieviel Wasser das Gewässer führt. Entwickelt hat die clevere Konstruktion Dr. Hans-Heinrich Krüger vom Otter-Zentrum Mustela Consult in Hankensbüttel. Er hat auch den Einbau an der Hunte maßgeblich vorgenommen. Einmal zusammengesetzt, wird die Berme zu Wasser gelassen und unter die Brücke gezogen.
Der schwierigste Teil der Aktion ist es dabei, sie unter der Brücke hindurch zu befördern. Ein einzelnes, mit einer Schnur versehenes Element wird hierzu in den Fluss geworfen, damit es mit der Strömung der restlichen Berme entgegentreibt, mit ihr verbunden wird und das Ganze alsdann mit der Schnur unter der Brücke entlang gezogen werden kann. Dabei kam Hans Heinrich Krüger nicht umhin, in Wathosen in die Hunte zu steigen und die Berme heranzuziehen. Sodann konnte sie an beiden Seiten der Brücke befestigt werden.



Unterstützung erhielt er dabei von Ronald Siegmund-Stuckenberg, Projektverantwortlicher bei der Biologischen Station Haseniederung, und Kai Holzgräfe, Gewässerkoordinator beim UHV 70. Fachlich mit im Boot sind die Straßenmeisterei Bohmte als Baulastträger und die Wasserbehörde des Landkreises Osnabrück als Genehmigungsbehörde.
Autor: Unterhaltungsverband Obere Hunte
Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“
Der Unterhaltungsverband Obere Hunte (UHV 70) mit Sitz in Bad Essen bei Osnabrück ist ein Wasser- und Bodenverband im Sinne des Wasserverbandsgesetzes. In seinem Einzugsgebiet im Bereich der oberen Hunte und ihrer Zuflüsse – von der Huntequelle bis nahe dem Dümmer See – unterhält der Verband 243 Kilometern Gewässer II. und 450 Kilometern Gewässer III. Ordnung. Immer mehr rückt dabei auch die Gewässerentwicklung in den Vordergrund. Zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen der Gewässer im Verbandsgebiet konnten im Sinne von Hochwasser-, Natur- und Artenschutz sowie zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtline umgesetzt werden. Gleichzeitig dienen diese Maßnahmen der sogenannten Dümmersanierung. Seit langem leidet die Wasserqualität des Dümmer Sees unter hohen Nährstofffrachten, was dort immer wieder zu Algenblüten und Fischesterben führt. Obwohl der See selbst nicht im Verbandsgebiet und damit auch nicht in der direkten Unterhaltungsverantwortung des UHV 70 liegt, ist der Verband bestrebt, die Gewässergüte der Hunte als Dümmerzufluss bereits an deren Oberlauf sicherzustellen bzw. zu verbessern. Hierzu arbeitet der Verband intensiv mit dem Landkreis Osnabrück, mit Kommunen, Anrainern und anderen engagierten Akteuren zusammen. Mehr unter https://www.uhv70.de/